Die AGNP wurde 1963 gegründet. Ihre Ursprünge gehen bis in die Mitte der 1950er Jahre zurück. Nach den ersten klinischen Studien mit Chlorpromazin in Deutschland entwickelte sich eine Zusammenarbeit zwischen fünf jungen deutschen Psychiatern: D. Bente (Erlangen), M.P. Engelmaier (Münster), K. Heinrich (Mainz), H. Hippius (West-Berlin) und W. Schmitt (Homburg/Saar).

Die Interessen dieser Gruppe fasste H. Hippius (1994) wie folgt zusammen:

• Entwicklung neuer wirksamer Therapieverfahren für psychiatrische Erkrankungen
• Entschlüsselung der Wirkmechanismen der neuen klinisch wirksamen Medikamente
• Untersuchung von Patienten vor und während Pharmakotherapie mit dem Ziel, eine klinische Pharmakologie in der Psychiatrie zu entwickeln, die sich sowohl mit klinischer Wirksamkeit wie mit Nebenwirkungen beschäftigt
• Die Erhebung und Bearbeitung von Daten von Patienten, die mit Psychopharmaka behandelt werden und aus klinischen pharmakologischen Studien mit dem Ziel Pathomechanismen psychiatrischer Erkrankungen zu untersuchen.

Während des ersten internationalen Symposiums über Psychopharmaka im Mai 1957 in Mailand traf sich eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern, um die Gründung einer internationalen Organisation für Neuropsychopharmakologie zu diskutieren. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Umsetzung dieser Idee, die später in die Gründung des Collegium Internationale Neuropharmacologicum (CINP) mündete, noch nicht umgesetzt. Die Gruppe der deutschen Teilnehmer an diesem Treffen (D. Bente, F. Flügel, H. Hippius, T. Itil und W. Wirth) verließen aber Mailand mit der Idee eine deutschsprachige Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie ins Leben zu rufen, die dann in Form der AGNP Gestalt annahm.

Das erste informelle Symposium der AGNP wurde am 30. April und 1. Mai 1960 in Nürnberg abgehalten, drei Jahre vor der offiziellen Gründung der Gesellschaft. Dieses Symposium wurde von F. Flügel, damals Ordinarius für Psychiatrie an der Universität Erlangen geleitet. In der Folge fanden bis 2001 fast alle 2 Jahre AGNP-Treffen in Nürnberg statt. Es gab jedoch einige wenige Ausnahmen. Um den Gedankenaustausch mit Kollegen aus dem Ostblock während der Zeit des Eisernen Vorhangs zu ermöglichen, wurde 1967 ein AGNP-Symposium in Karlsbad, Tschechoslowakei, und 1971 ein weiteres in Split, im damaligen Jugoslawien, abgehalten. Es bestand damals die Idee, die AGNP-Symposium abwechselnd in Nürnberg und in osteuropäischen Städten zu veranstalten. Demnach wäre Nürnberg nur noch alle 4 Jahre Veranstaltungsort gewesen. Aber bereits der Plan, dem Symposium in Split eines in Polen folgen zu lassen, konnte in den 1970er Jahren nicht realisiert werden. Es dauerte in der Tat über 30 Jahre, bis im September 2002 in Wroclaw (Breslau), Polen, ein AGNP-Regionaltreffen stattfand. Vielmehr blieb dann über lange Zeit Nürnberg alleiniger Austragungsort der AGNP-Symposien.

In den ersten Jahren wurden die AGNP-Symposien von einer kleinen Zahl von Klinikern und Wissenschaftlern aus allen Gebieten der Neuropsychopharmakologie (Biochemie, Pharmakologie, Psychologie usw.) besucht. Im Laufe der Zeit wuchsen die Teilnehmerzahlen und die Dauer der Veranstaltungstage. Die Symposien beginnen seither mittwochs und enden samstags. Seit Jahren enthalten die AGNP-Symposien Fortbildungselemente, Symposien und Workshops, freie Vorträge und Postersitzungen. Seit 1980 gibt der Festvortrag eines herausragenden Wissenschaftlers der Eröffnungsveranstaltung einen besonderen Akzent.

Der erste Vorsitzende der AGNP war D. Bente. Ihm folgten H. Heimann, H. Helmchen, P. Netter, B. Müller-Oerlinghausen, E. Rüther, N. Gastpar, H.J. Möller, F. Holsboer, J.Aldenhoff, R. Rupprecht, U, Hegerl und S. Bleich.

Auf Initiative von K. Heinrich gründete die AGNP ihr offizielles Organ, die Fachzeitschrift Pharmakopsychiatrie und Neuropsychopharmakologie. Später wechselte der Name für eine kurze Zeit in Pharmacopsychiatria und schließlich in Pharmacopsychiatry.

Die derzeit vier Arbeitsgruppen der AGNP beschäftigen sich mit besonderen Aufgaben. Diese Arbeitsgruppen organisieren Treffen von Experten, Fortbildungsveranstaltungen und publizieren Richtlinien zu ihrem Gebiet.

Nachdem die AGNP lange Jahre in Nürnberg heimisch war, begann mit dem 3. Jahrtausend eine neue Ära mit der Veranstaltung von Regionaltreffen. Die erste dieser Veranstaltungen fand 2000 in Potsdam statt, gefolgt von Regionaltreffen in Dresden 2001, in Sölden, Tirol im April 2002, in Wroclaw, Polen im September 2002 und in Leipzig 2010.

Im Oktober 2003 fand das 23. AGNP-Symposium erstmals an einem neuen Ort, nämlich in München, statt. Es wurde, wie die weiteren Münchner AGNP-Symposien eine gelungene, gut besuchte Veranstaltung. Somit hat die AGNP in München eine neue Heimat gefunden. Seit 2011 geht dem AGNP-Symposium ein Fortbildungsnachmittag voraus, der Psychiatern und Psychiaterinnen aus Praxis und Klinik Vorträge von Experten zum aktuellen Stand in Psychiatrie und Pharmakotherapie bietet.

Literatur:
Hippius H (1994) Meeting with Wolfgang de Boor, In: Towards CINP (Ban TA, Hippius H, eds.) Brentwood, JM Productions, pp. 37-41